Contracts for Difference für Offshore-Wind

Deutschland will den Offshore-Wind-Ausbau deutlich beschleunigen: 30 GW bis 2030 und mindestens 40 GW bis 2035.

Derzeit sind weniger als 10 GW installiert. Gleichzeitig haben steigende Kosten, höhere Zinsen und volatile Lieferketten dazu geführt, dass Auktionen ohne Gebote endeten und Projekte in Europa verschoben oder gestoppt wurden. Ohne Anpassungen des Förderrahmens drohen Verzögerungen beim Ausbau.

Vor diesem Hintergrund hat Frontier Economics im Auftrag der EnBW AG untersucht, wie ein neues Offshore-Fördersystem gestaltet sein sollte, um Investitionen abzusichern und die Ausbauziele effizient zu erreichen.

Zentrale Erkenntnisse

1. Offshore-Wind ist kapitalintensiv und risikobehaftet

Rund 70 Prozent der Stromgestehungskosten entfallen auf Investitions- und Finanzierungskosten. Schon moderate Zinsanstiege oder Rohstoffpreisschocks können die Wirtschaftlichkeit zwischen Zuschlag in der Offshore-Wind-Auktion und finaler Investitionsentscheidung (FID) deutlich verändern. Viele dieser Risiken sind für Investoren nur begrenzt steuerbar.

Eine gezielte Risikoteilung zwischen Staat und Investoren kann Risikoaufschläge reduzieren und die Realisierungswahrscheinlichkeit bezuschlagter Projekte erhöhen.

2. Zweiseitige CfDs sind ein geeigneter Referenzmechanismus

Zweiseitige Contracts for Difference (CfDs) gleichen die Differenz zwischen einem in der Auktion festgelegten Strike Price und dem Marktwert des Stroms aus, nach oben wie nach unten. Sie reduzieren das zentrale Preisrisiko und erhöhen die Planbarkeit der Cashflows.

Die Analyse zeigt:

  • Produktionsabhängige CfDs sind einfach, bankfähig und international erprobt.
  • Produktionsunabhängige oder hybride Modelle können zusätzliche Systemanreize setzen, sind jedoch komplexer und administrativ anspruchsvoller.
  • Aus Investorensicht unterscheiden sich die Renditeprofile bei sachgerechter Ausgestaltung nur geringfügig.

In der Gesamtabwägung spricht daher vieles für einen produktionsabhängigen CfD als pragmatischen Einstieg in ein neues Fördersystem.

3. Indexierung des Strike Price kann die Realisierungswahrscheinlichkeit erhöhen

Zwischen Gebotsabgabe und Inbetriebnahme liegen in Deutschland typischerweise mehrere Jahre. In dieser Zeit können sich Zinsen sowie Stahl-, Komponenten- oder Turbinenpreise deutlich verändern.

Die Studie empfiehlt eine phasengerechte Indexierung des in der Auktion bestimmten Strike Price:

  • Vor Inbetriebnahme: Berücksichtigung von Zins-, Rohstoff- und Komponentenrisiken.
  • In der Betriebsphase: vereinfachte Anpassung an OPEX-Risiken, etwa über Inflationsindizes.

Internationale Beispiele zeigen, dass eine gezielte, pragmatische Indexierung Finanzierungskosten senken und Projektrisiken reduzieren kann.

4. CfDs und PPAs sollten komplementär ausgestaltet werden

Auch mit einem CfD-System bleibt der Markt für grüne Power Purchase Agreements (PPAs) wichtig, insbesondere für die Dekarbonisierung der Industrie.

Die Studie schlägt eine Opt-out-Option bis zur FID vor: In der Auktion erfolgreiche Projektentwickler könnten entscheiden, ob und in welchem Umfang sie Strom über CfDs oder PPAs vermarkten. Unter den aktuellen Marktbedingungen erscheint ein paralleles Carve-out-Modell als praktikabler Ansatz, um Bankability und PPA-Angebot zu verbinden.

Einführung ab 2027: Stufenweiser Ansatz

Da der aktuelle Förderrahmen Ende 2026 ausläuft, besteht zeitlicher Handlungsbedarf. Die Studie empfiehlt ein schrittweises Vorgehen:

  • Einstieg mit einem einfachen, produktionsabhängigen CfD, um rasch Investitionssicherheit wiederherzustellen.
  • Schrittweise stärkere Marktintegration, etwa über PPA-Mindestanteile oder weiterentwickelte CfD-Modelle.
  • Evaluation und Weiterentwicklung, sobald erste Projekte im neuen Regime realisiert sind.

Fazit

Ein zweiseitiger, produktionsabhängiger CfD mit gezielter Indexierung bietet kurzfristig einen wirksamen und investitionsfreundlichen Rahmen für den Offshore-Ausbau. In Kombination mit klar geregelten PPA-Optionen kann ein solches System Planbarkeit erhöhen, Systemkosten begrenzen und den Ausbaupfad trotz anspruchsvoller Marktbedingungen absichern.