Studie bewertet dynamische Netzentgelte und Weiterentwicklung des Redispatch

Die Bundesnetzagentur hat einen Reformprozess (AgNes) zur Weiterentwicklung der Netzentgeltsystematik gestartet. Im Rahmen des AgNes-Prozess prüft die Bundesnetzagentur auch die Einführung dynamischer Netzentgelte für Verbraucher, Speicher und Einspeiser. Ziel der Dynamischen Netzentgelte ist es, Netzengpässe stärker über regionale und zeitliche Preissignale zu steuern und dadurch Redispatchkosten zu senken. Dafür müssen allerdings Marktteilnehmer in ausreichendem Maße auf diese Preissignale reagieren.

Eine aktuelle Studie von Frontier Economics im Auftrag der RWE AG betrachtet, inwieweit es alternative Instrumente gibt, mit denen die von der Bundesnetzagentur intendierten Ziele erreicht werden können, die allerdings eine geringere Eingriffstiefe in den Strommarkt aufweist.

Dazu vergleicht die Studie zwei Ansätze: dynamische Netzentgelte und einen hybriden Redispatch als Weiterentwicklung des bestehenden Systems. Beim hybriden Redispatch wird das bestehende kostenbasierte System durch marktbasierte Beschaffungsmechanismen für Flexibilitäten ergänzt. Untersucht werden unter anderem Effizienz, Systemkohärenz, Implementierungsaufwand und Verteilungswirkungen. 

Die Ergebnisse zeigen, dass dynamische Netzentgelte zwar theoretisch netzdienliche Anreize setzen können, dies in der Praxis allerdings mit hohen Informationsanforderungen und Prognoserisiken verbunden sind.  Dynamische Netzentgelte können zwar theoretisch potenziell die Redispatch-Kosten senken, es besteht allerdings in der praktischen Umsetzung das Risiko, dass die gesamtwirtschaftlichen Kosten durch höhere Großhandelspreise und höhere Investitionskosten für die Endverbraucher in Summe ansteigen. Zusätzlich wird durch dynamische Netzentgelte eine zusätzliche, nicht hedgefähige Preisebene geschaffen, wodurch die Unsicherheit und Komplexität im Strommarkt erhöht wird.

Demgegenüber erscheint eine gezielte Weiterentwicklung des Redispatchsystems robuster. Ein hybrider Redispatch kann die physikalische Präzision des heutigen Systems erhalten und zusätzliche Flexibilitäten wie Speicher und flexible Nachfrage besser integrieren. Der hybride Redispatch fügt sich demgegenüber besser in das bestehende Marktdesign ein und lässt sich gezielter und mit einer deutliche geringeren Eingriffstiefe im Vergleich zu dynamischen Netzentgelten weiterentwickeln.

Link zur Studie