Der Ausbau der deutschen Stromübertragungsnetze ist zentral für eine erfolgreiche Energiewende.
In der aktuellen Debatte über den Ausbau via Erdkabel oder Freileitungen stehen jedoch häufig allein die Investitionskosten der Technologieoptionen im Vordergrund. Dabei müsste ein "fairer” Technologievergleich deutlich komplexer und breiter angelegt erfolgen. Eine neue Studie von Frontier Economics, GÖRG und ef.Ruhr im Auftrag von NKT und Prysmian soll daher am Beispiel des Projekts DC42/DC42+ helfen, technische, rechtliche und ökonomische Aspekte zusammenzutragen und die erforderliche Transparenz zu schaffen, um eine informierte Entscheidung treffen zu können.
Unsere Analyse berücksichtigt neben den Investitionskosten auch weitere Aspekte wie Betriebs- und Finanzierungskosten, Netzverluste sowie mögliche Systemkosten durch Verzögerungen. Dabei zeigt sich: Erdkabel sind in der Errichtung zwar teurer als Freileitungen. Über die gesamte Projektlaufzeit fällt der Mehrkostenfaktor jedoch geringer aus als in der öffentlichen Debatte häufig angenommen. Für DC42/DC42+ liegen die lebenszyklusbezogenen Netzkosten der Erdkabelvariante bei rund 7,9 bis 11,9 Mrd. €2026, gegenüber rund 3,7 bis 5,6 Mrd. €2026 bei einer Freileitung – also ein Mehrkostenfaktor von ca. 2 statt den oft referenzierten 3-10. Beispielsweise würde ein Umschwenken auf eine Freileitung die Inbetriebnahme von DC42/DC42+ um mehrere Jahre verzögern und zusätzliche Redispatch-Kosten von rund 200 Mio. €2026 pro Jahr verursachen (u.a. unter der optimistischen Annahme, dass die anderen Leitungsprojekte pünktlich in Betrieb gehen).
Für einen fairen Technologievergleich ist zu analysieren, welche Kosten und Risiken über die gesamte Projektlaufzeit und zu welchem Zeitpunkt tatsächlich bei den Netznutzern anfallen. Dazu gehören auch Verzögerungen, Netzverluste, Planungsrisiken und qualitative Faktoren wie Akzeptanz, Umweltwirkungen und Resilienz. Unsere Analyse zeigt, dass eine faktenbasierte Abwägung deutlich komplexer ist, als es die öffentliche Debatte häufig vermuten lässt. Aber genau diese Differenzierung ist notwendig, um den Netzausbau effizient und im gewünschten Zeitrahmen umsetzbar zu gestalten. Beide Technologien haben spezifische Stärken und Schwächen - letztlich hängt die Bewertung der Umsetzung als Erdkabel oder Freileitung von einer bewussten Gewichtung der identifizierten Vor- und Nachteile ab.