Folgestudie zu Erdkabeln und Freileitungen: Technologische Innovationen könnten Mehrkosten deutlich reduzieren

Neue Analyse zeigt für DC42/DC42+ einen Mehrkostenfaktor von rund 1,3 bis 1,4 für Erdkabel gegenüber Freileitungen und unterstreicht die Bedeutung von Lebenszykluskosten und Inbetriebnahmezeitpunkt.

Bei neuen Höchstspannungs-Gleichstrom-Leitungen wird die Wahl zwischen Erdkabeln und Freileitungen häufig anhand der Investitionskosten diskutiert. Unsere erste Studie vom Juni 2026 hat gezeigt, dass ein solcher Vergleich zu kurz greift. Entscheidend sind die Kosten und Auswirkungen über den gesamten Lebenszyklus der Leitungen.

Eine neue Folgestudie von Frontier Economics und ef.Ruhr im Auftrag von NKT und Südkabel aktualisiert und erweitert die Analyse am Beispiel von DC42/DC42+. Sie berücksichtigt unter anderem die aktuelle Netzplanung, mögliche technologische Innovationen bei Erdkabeln sowie weitere sozioökonomische Auswirkungen.

Mehrkostenfaktor von rund 1,3 bis 1,4

Unter Einbeziehung von Investitions-, Betriebs- und Finanzierungskosten, Netzverlusten sowie verzögerungsbedingten Redispatchkosten ergeben sich für DC42/DC42+ lebenszyklusbezogene Gesamtkosten von rund 6,6 bis 10,4 Mrd. Euro für die Erdkabelvariante. Für eine Freileitung liegen sie bei rund 4,9 bis 7,6 Mrd. Euro.

Damit liegen die Gesamtkosten der Erdkabelvariante nach unserer Analyse um den Faktor 1,3 bis 1,4 über denen einer Freileitung. Der Mehrkostenfaktor fällt damit geringer aus als in unserer ersten Studie.

Innovationen könnten die Kosten von Erdkabeln senken

Ein wesentlicher Grund dafür sind erwartete technologische Innovationen im Erdkabelsektor. So könnte der Einsatz von Aluminiumleitern mit höherer Betriebstemperatur die Kosten des Kabelsystems gegenüber den jüngsten Ausschreibungsergebnissen um rund 19 % reduzieren. Weitere Einsparpotenziale könnten sich unter anderem durch größere Kabellängen und den Einsatz der Kabelpflugtechnik ergeben.

Verzögerungen bei einer Umplanung können hohe Systemkosten verursachen

Gleichzeitig ist der wirtschaftliche Wert einer frühzeitigen Inbetriebnahme von DC42/DC42+ gegenüber unserer ersten Studie gestiegen. Grund dafür sind unter anderem höhere erwartete Redispatchkosten.

Eine Umplanung von Erdkabeln auf Freileitungen könnte die Inbetriebnahme nach den untersuchten Annahmen um vier bis sieben Jahre verzögern. Auf Basis des aktuellen Netzentwicklungsplans und der Modellierung von ef.Ruhr wäre jedes zusätzliche Verzögerungsjahr mit Redispatchkosten von rund 460 bis 480 Mio. Euro verbunden.

Darüber hinaus würden pro Verzögerungsjahr voraussichtlich:

  • rund 3,9 TWh erneuerbarer Strom zusätzlich abgeregelt,

  • rund 3,3 TWh (thermisch) zusätzliches Gas zur Stromerzeugung eingesetzt und

  • rund 1,1 Mio. Tonnen zusätzliche CO₂-Emissionen durch Redispatch verursacht.

Die Folgestudie bestätigt damit die zentrale Erkenntnis unserer ersten Analyse: Ein umfassender Vergleich von Erdkabeln und Freileitungen sollte nicht allein auf die anfänglichen Investitionskosten abstellen.

Relevant sind vielmehr die Gesamtkosten über die Lebensdauer, unter Berücksichtigung des Zeitpunkts der Inbetriebnahme sowie die Auswirkungen auf Redispatch, die Integration erneuerbarer Energien und das deutsche und europäische Stromsystem.

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