Die Kosten der Schweiz für die Solidarität im Falle einer Gasmangellage

Die Kosten der Schweiz für die Solidarität im Falle einer Gasmangellage

Das Bundesamt für Energie (BfE) hat Frontier Economics mit einer Studie beauftragt, um die möglichen Kosten für die Schweizerische Eidgenossenschaft im Falle einer Gasmangellage abzuschätzen, damit diese die Höhe der Verpflichtungskredite festlegen kann.

Die Schweiz, Deutschland und Italien haben in einem Solidaritätsabkommen im März 2024 vereinbart, sich im Notfall mit Gaslieferungen für die Versorgung der geschützten Kundinnen und Kunden auszuhelfen. Neben dem Abkommen muss das Parlament der Schweiz auch Verpflichtungskredite genehmigen. In der Studie wird vom Fall ausgegangen, dass die Schweiz sich in einer Gasmangellage befindet und deshalb bei Italien (IT) oder Deutschland (DE) um Solidarität ersucht.

Die Schweiz hängt bei der Gasversorgung von seinen Nachbarländern ab

Die Schweiz verfügt über keine Erdgasproduktion und über keine größeren inländischen Speicherkapazitäten, sondern importiert Gas hauptsächlich über Deutschland, Frankreich und Italien. Allein 80 % der Gasimporte kamen in der Vergangenheit aus Deutschland in die Schweiz.

Die hohe Importabhängigkeit für die Schweiz stellt ein Problem dar, wenn es zu Engpässen bei der Gasversorgung der Schweiz durch die Nachbarländer kommt. Reichen andere Massnahmen nicht mehr aus, um die Gasnachfrage der geschützten Kund:innen zu decken, wird als letzte Instanz das Solidaritätsabkommen mit Deutschland und Italien aktiv.

Solidaritätsmassnahmen als „letztes“ Instrument

Das Solidaritätsersuchen ist mit Kosten verbunden, die von der Lieferfähigkeit der Nachbarländer und der Dauer und der nachgefragten Gasmenge abhängig sind. In der Studie haben wir drei Treiber für die Kosten von Solidaritätsmaßnahmen identifiziert und quantifiziert:

  • die Gasnachfrage der geschützten Kund:innen,
  • die Dauer des Solidaritätsersuchen der Schweiz und
  • der Preis für die „freiwilligen“ bzw. „zwingenden“ Maßnahmen.

Den Preis für die „freiwilligen“ Maßnahmen haben wir auf Basis von historischen Höchstpreis der EU für das Jahr 2022 abgeleitet. Bei „zwingenden“ Maßnahmen wurde der Preis noch zusätzlich um die Entschädigungskosten erhöht. Die Höhe der Entschädigungskosten wurden dabei aus der entgangenen Wertschöpfung pro Gasmenge von Industriesektoren ermittelt. Die Kostenschätzung erfolgt für drei unterschiedliche Szenarien.

Die Kosten im Fall einer Gasmangellage werden im Medium Case auf 1,3 Milliarden CHF und im Worst Case auf 3,7 Milliarden CHF geschätzt

Die geschätzten Kosten bei einem möglichen Solidaritätsersuchen hängen stark vom gewählten Szenario ab, z.B. der Dauer der Gasmangellage, und sind mit entsprechender Unsicherheit behaftet. Für die drei Szenarien – Base, Medium und Worst Case ergibt sich daraus eine Bandbreite zwischen 304 und 3.704 Mio. CHF. Wir haben zusätzlich noch zwei Sensitivitäten (höherer Preis und längere Dauer der Gasmangellage) ermittelt, die zu einem Anstieg der Kostenschätzungen bis auf 9,2 Milliarden CHF führt.

Unser vollständiger Bericht „Kostenschätzung für die Schweizer Eidgenossenschaft bei der Anforderung von Solidarität im Rahmen eines Solidaritätsabkommens Gas“ ist ab sofort auf der Website des Bundesamts für Energie verfügbar.