Frontier Economics hat im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie untersucht, wie sich die seit dem Jahr 2022 geltenden Speicherfüllstandsvorgaben auf den Gasmarkt ausgewirkt haben und welche Alternativen für eine effiziente und sichere Gasversorgung bestehen.
Unsere Analysen zeigen, dass die Füllstandsvorgaben im Krisenjahr 2022 einen wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit geleistet haben, heute aber zu spürbaren Marktverzerrungen führen.
Füllstandsvorgaben: Wirksam in der Krise, verzerrend im Normalbetrieb
Im Jahr 2022 stand die Versorgungssicherheit klar im Vordergrund, da der Wegfall russischer Pipelineimporte den Gasmarkt erheblich belastete. Die verpflichtenden Mindestfüllstände für Gasspeicher stabilisierten die Lage in dieser kritischen Phase und ermöglichten eine schnelle Befüllung der Speicher vor dem Winter. Zeitgleich wurde eine neue LNG-Infrastruktur aufgebaut und zusätzliche Importpfade erschlossen, die die deutsche Gasversorgung bis heute deutlich diversifizierter und damit auch robuster machen.
Die Speicherfüllstandsvorgaben haben jedoch langfristig die Preisbildung im Gashandel verzerrt. Unsere ökonometrische Analyse zeigt, dass der Preisunterschied zwischen Gaslieferungen im Sommer und im Winter – der Sommer-Winter-Spread – durch die Einführung der Füllstandsvorgaben im Durchschnitt um etwa 2 €/MWh gesunken ist. Dies schwächt marktwirtschaftliche Anreize zur Speicherbefüllung:
■ Arbitrage wird unattraktiver, da Händler Gas im Sommer zu höheren Preisen kaufen müssen und im Winter geringere Erlöse erzielen.
■ Hedging-Strategien verlieren an Bedeutung, weil die Vorgaben das Risiko winterlicher Knappheit reduzieren.
Im Ergebnis kann dies dazu führen, dass private Akteure weniger einspeichern und sich stärker auf staatliche Eingriffe verlassen.
Welche Alternativen funktionieren besser?
Wir haben fünf regulatorische Optionen anhand der Kriterien Versorgungssicherheit, Kosteneffizienz und Umsetzbarkeit bewertet. Besonders gut schneiden zwei Ansätze ab:
■ Dauerhafte Abschaffung der Füllstandsvorgaben: stärkt die Preissignale und fördert eine effiziente private Einspeicherung, bietet jedoch keine zusätzliche Absicherung in seltenen Extremszenarien über die privatwirtschaftliche Vorsorge hinaus.
■ Einführung einer strategischen Reserve: kann bei richtiger Ausgestaltung für zusätzliche Resilienz sorgen, ohne das Preisgefüge im Gasmarkt dauerhaft zu verzerren. Sie hält definierte Gasmengen für Krisen bereit, die nur unter klar festgelegten Bedingungen freigegeben würden. Damit verbindet sie Effizienz im Normalbetrieb mit Schutz in Extremsituationen. Allerdings sind hiermit zusätzliche Kosten verbunden.
Andere untersuchte Instrumente, etwa die dauerhafte Beibehaltung der Füllstandsvorgaben, ein strategisches Befüllungsinstrument oder eine Lieferantenverpflichtung, schneiden dagegen aufgrund hoher Kosten, Komplexität oder möglicher negativer Marktwirkungen schlechter ab.
Politische Abwägung zwischen Kosten und Resilienz
Die Entscheidung zwischen einem rein marktlichen Ansatz und einer strategischen Reserve ist letztlich eine politische: Der marktliche Ansatz ist kosteneffizient und hat in der Vergangenheit außerhalb von Krisensituationen stets für eine ausreichende Speicherbefüllung gesorgt, während eine strategische Reserve zusätzliche Sicherheit gegenüber seltenen, aber potenziell gravierenden Versorgungskrisen schaffen kann, dafür jedoch mit zusätzlichen Kosten verbunden ist. Beide Ansätze lassen Marktmechanismen weitgehend intakt und begrenzen staatliche Eingriffe auf das notwendige Minimum.
Link zum gesamten Abschlussbericht: Evaluierung der Gasspeicherfüllstandsvorgaben – Abschlussbericht
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