Kraftwerksstrategie in Deutschland: Festlegung auf Gas oder Technologiemix?

Das deutsche Stromsystem befindet sich im Umbau: Mit steigendem Anteil erneuerbarer Energien wächst die Abhängigkeit von wetterabhängiger Erzeugung, während durch den Ausstieg aus Kohle- und Kernkraft gesicherte Leistung entfällt. Um Versorgungssicherheit – insbesondere in längeren Dunkelflauten – zu gewährleisten, plant die Bundesregierung im Rahmen einer Kraftwerksstrategie bis zu 20 GW neue Gaskraftwerkskapazitäten bis 2030, davon 5–10 GW in einer ersten kurzfristigen Ausschreibung.

Frontier Economics wurde vom Landesverband Erneuerbare Energien NRW e. V. (LEE) beauftragt, diese technologische Vorfestlegung der Bundesregierung auf Gaskraftwerke in einer Kurzstudie zu analysieren.

Wesentliche Erkenntnisse sind:

  • Technologieneutralität als Leitprinzip – Versorgungssicherheit effizient und systemdienlich durch einen offenen Wettbewerb verschiedener Technologien sichern. Unterschiedliche Optionen – von flexiblen Kraft-Wärme-Kopplungs- und Bioenergieanlagen über Speicher und Demand Side Management bis zu Power-to-X – bringen jeweils spezifische Stärken ein, die im Zusammenspiel mit Gaskraftwerken einen robusten Technologiemix ermöglichen.
  • Technologiespezifische Ausschreibungen für Gaskraftwerke als kurzfristiger Zwischenschritt – Eine erste technologiespezifische Ausschreibung Gaskraftwerken ist angesichts von Vorlaufzeiten und Reifegrad als pragmatische Übergangslösung plausibel. Sie sollte jedoch technologieoffen innerhalb des Segments gestaltet und auf das notwendige Minimum begrenzt werden, um Marktverzerrungen zu vermeiden. Der Umfang muss auf Basis von aktuellen, fundierten Analysen ermittelt werden. Zudem sollten ausdrücklich auch kleinere sowie dezentrale Anlagentypen wie Gasmotoren zur Teilnahme berechtigt sein, um schnelle Realisierungen und netzdienliche Strukturen zu ermöglichen.
  • Erneuerbare optimal integrieren – Überschüssiger Wind- und Solarstrom sollte durch Speicher oder Umwandlung in grüne Moleküle nutzbar gemacht werden, um Systemkosten zu senken und klimaneutrale gesicherte Leistung zu ermöglichen.

Die vollständige Studie steht hier bereit